Reisefotografie - Nachtaufnahmen & Polarlichter

Reisefotografie - Nachtaufnahmen & Polarlichter

Tipps zum Fotografieren bei Nacht und von Polarlichtern für Ihre Reisefotos

September 2023
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Fotograf Michael Voss in Namibia Michael Voß Fotograf

Das Fotografieren bei Dunkelheit ist eine besondere Herausforderung, aber gleichermaßen reizvoll. Das Gefühl, welche gute Nachtaufnahmen beim Betrachter auslösen, ist einzigartig. Doch für Fotografen ist es deutlich komplizierter ein schönes Bild zu erzeugen, denn es gilt das wenige vorhandene Licht einzufangen. Während man tagsüber – z.B. in der Landschaftsfotografie – meist mit einer Belichtungszeit im hundertstel-Sekunden Bereich arbeitet, beträgt die Belichtungszeit bei Nacht mehrere Sekunden bis Minuten. Diese lange Belichtungszeit kann genutzt werden, um sogenannte "Lichtzieher", wie im nachfolgenden Bild, zu erzeugen. Eine Smartphone-Kamera kommt hier jedoch häufig an ihre Grenzen, die Bilder sind meist nicht so scharf und ausgewogen. Bei Nachtaufnahmen zeigen Stativ und Kamera deutlich ihren Wert. Und damit Sie das Beste aus Ihren Reisefotos bei Nacht herausholen können, teile ich nun meine Tipps mit Ihnen!

 Bahnhof Oriente Lissabon Portugal-Nachtaufnahme

Aufgenommen mit: Canon 5D Mark III, F:16, 20 sec., Iso 200, 14mm. Aufnahme zur blauen Stunde am Fernbahnhof Oriente in Lissabon.

Tipp: Fotografieren während der blauen Stunde

Die schönsten Nachtaufnahmen entstehen, wenn es noch nicht vollständig dunkel ist. Nach Sonnenuntergang kommt es während der Dämmerung zum sogenannten Phänomen der blauen Stunde. Der Himmel wird dann vom letzten Licht in ein dunkles Blau getaucht, bevor er schließlich schwarz wird. Durch eine lange Belichtungszeit kann eine Kamera dieses Restlicht sogar dann noch einfangen, wenn unser Auge den Himmel bereits schwarz wahrnimmt. In der späten Phase der blauen Stunde tauchen auch die Sterne auf, die einem Bild das gewisse Extra verleihen können. Voraussetzung für das Fotografieren der blauen Stunde sowie von Sternen ist natürlich ein wolkenloser Himmel – versteht sich, oder?

 

Aufnahmen von Polarlichtern

Die Krönung eines Nachthimmels während einer Reise in den hohen Norden ist natürlich, wenn dieser von Polarlichtern überzogen wird. Dieses Naturspektakel möchte sicher ein jeder in möglichst guter Qualität fotografieren – das ist allerdings gar nicht so einfach! Zunächst sollten Sie sich mit dem Gedanken anfreunden, dass Polarlichter nicht so kräftig bunt sind, wie sie auf Bildern erscheinen. Eine Kamera hat mehrere Sekunden Zeit, um ein Bild zu erzeugen, das menschliche Auge hingegen nicht. Außerdem ist es für das menschliche Sehen bei Dunkelheit wichtiger, Formen, statt Farben wahrnehmen zu können – das Sprichwort „nachts sind alle Katzen grau“ kommt nicht von ungefähr. Trotzdem wird die Faszination, die von den geheimnisvoll anmutenden Polarlichtern ausgeht, keineswegs gemindert. Wenn man während der Polarlicht-Saison im hohen Norden bzw. tiefen Süden unterwegs ist, packt einen ein regelrechtes Fieber. Oder wieso würde man sonst mitten in der Nacht bei Eiseskälte vor die Türe gehen? Selten habe ich ein solches Glücksgefühl auf Reisen empfunden, wie als ich Polarlichter gesehen habe! Damit Sie dieses einzigartige Naturphänomen bestmöglich fotografisch festhalten können, kommen jetzt meine Tipps für Nachtaufnahmen, die selbstverständlich ebenfalls für die Fotografie von Polarlichtern gültig sind.

 Polarlichter Lofoten Norwegen Winter-Spiegelung

Aufgenommen mit: Canon 5D Mark III, F:1,8, 20 sec., Iso 200, 14mm. Polarlichter auf den Lofoten.

Tipp Nr. 1: Vorab die Bildkomposition festlegen

Bevor man mit dem Fotografieren anfängt, sollte man sich eine ansprechende Bildkomposition aussuchen. Ein schöner Vordergrund kann einem Sternenhimmel oder Polarlicht-Bild leicht den nötigen Wow-Effekt geben. Das kann zum Beispiel ein beleuchtetes Haus sein, ein verschneiter Wald, das Meer oder ein See sein. Wasser eignet sich für Nachtaufnahmen optimal, da man hier zusätzlich mit der Spiegelung arbeiten kann. Es kann auch lohnenswert sein, sich bereits tagsüber schon einmal Gedanken über die Bildkomposition zu machen.

 

Tipp Nr. 2: So setzen Sie bei Dunkelheit den Schärfepunkt

Der Schärfepunkt ist einer der wichtigsten und schwierigsten Parameter bei Nachtaufnahmen. Denn während der Autofokus einer Kamera tagsüber problemlos seine Arbeit tut, kommt er bei Dunkelheit an seine Grenzen. Mit etwas Glück, ist irgendwo ein kleines Licht zu sehen, das fokussiert werden kann. In Skandinavien war dies bei mir bisher immer der Fall. Aber es gibt eben auch Regionen auf dieser Erde, wo es im Gegensatz zu Mitteleuropa so dunkel ist, dass man die Hand vor Augen nicht mehr sehen kann. Hier wäre es eine Option, das Stativ noch bei Tageslicht an einer ausgewählten Stelle zu platzieren, einen Fokuspunkt mit dem Autofokus anzuvisieren. Anschließend entweder die Kamera auf manuell umstellen und beiseitelegen, bis es Nacht ist oder sich den Punkt auf der Skala am Objektiv merken, an dem das Bild scharf war. Das ist natürlich aufwendig. Aber ich habe es schon erlebt, dass ich beim Fotografieren der Milchstraße in Namibia keinen Fokuspunkt finden und auch mit einer starken Taschenlampe keinen erzeugen konnte. Letztlich hat unser Ranger das Licht vom Fahrzeug angeschaltet und damit einen Baum angestrahlt, den ich dann als Fokuspunkt nutzen konnte.

Sternenhimmel Tirasberge Namibia Nachtaufnahme

Aufgenommen mit: Canon 5D Mark III, F:1,8, 30 sec., Iso 1600, 14mm. Nachtfotografie in den Tirasbergen von Namibia.

Tipp Nr. 3: Das sind die richtigen Kamera-Einstellungen zur Nachtfotografie

Ist der Fokuspunkt gesetzt, müssen die passenden Belichtungseinstellungen getroffen werden. Nachtaufnahmen und Polarlichter werden in der Regel mit einer offenen Blende (kleine Blendenöffnungszahl) fotografiert, um eine möglichst kurze Belichtungszeit zu ermöglichen. Hilfreich ist ein lichtstarkes Weitwinkelobjektiv mit einer Brennweite von etwa 10-24 mm und einer größtmöglichen Blendenöffnung von F:2,8. Mit einer 4er-Blende habe ich aber auch schon gute Polarlichtbilder gemacht. Die offene Blende bedingt allerdings einen kleinen Schärfebereich. Das bedeutet, dass Sie sich vorher überlegen sollten, ob der Vordergrund oder der Himmel scharf sein sollen. Ich würde im Zweifelsfall eher den Vordergrund wählen.

Es darf keine zu lange Belichtungszeit gewählt werden, da sonst die runden Sterne zu Strichen werden, weil die Erde sich im Gegensatz zu den Sternen eben dreht. Das macht sich bei etwa 15 Sekunden Belichtungszeit bemerkbar. Wie lange ein Bild belichtet werden kann, hängt jedoch auch davon ab, wie weitwinkelig fotografiert wird. Je geringer die Brennweite, umso kleiner wirken die Sterne, wodurch weniger auffällt, wenn sie schon ganz leicht zu Strichen geworden sind. Aber ich würde empfehlen, nicht länger als 30 Sekunden zu belichten. Bei lebhafter Aurora Borealis lassen sich zwischen 10 und 20 Sekunden Belichtungszeit die Strukturen noch gut erkennen. Abhängig ist die Belichtungszeit jedoch auch von der Stärke des Mondlichtes und davon, ob Schnee liegt oder nicht.

Polarlichter Dorf Norwegen Winter

Aufgenommen mit: Canon 5D Mark III,  F:4, 20 sec., Iso 800, 16mm. Polarlichter über einem Fischerdorf in Nordnorwegen.

Weitere Tipps für atemberaubende Nachtaufnahmen

Tipp Nr. 4: Nach dem ersten Knipsen das Bild überprüfen! Ist das Bild scharf? Stimmt die Helligkeit? Ersteres kontrollieren Sie, indem Sie sich das Bild auf dem Kameramonitor anschauen und so weit wie möglich rein zoomen, um zu kontrollieren, dass die Strukturen scharf sind. Ob die Helligkeit passt, lässt sich am besten am Histogramm erkennen. Die hellen Bereiche sollten sich mindestens bis zur Mitte der Skala erstrecken. Achtung beim einfachen Helligkeitscheck auf dem Monitor: wenn das Auge sich an die Dunkelheit gewöhnt hat, wirkt der Monitor wesentlich heller. Lieber also den ISO-Wert etwas höherstellen und das Bild heller fotografieren. Zur Sicherheit können Sie die Überlichtungswarnung einschalten, damit es nicht zu hell wird!

Tipp Nr. 5: Ein Stativ ist unverzichtbar! Bei den langen Belichtungszeiten ist ein Fotografieren aus der Hand heraus nahezu unmöglich. Ideal ist ein stabiles Stativ, welches auch Wind standhält.

Tipp Nr. 6: Fern- oder Selbstauslöser nutzen! Um das Bild beim Auslösen nicht zu verwackeln, können Sie entweder den verzögerten Selbstauslöser der Kamera nutzen oder einen Fernauslöser. Wenn die Kamera die technischen Voraussetzungen erfüllt, ist auch ein drahtloses Auslösen per Smartphone möglich.

Tipp Nr. 7: Taschenlampe nicht vergessen! Zur Orientierung und für die Bedienung der Kamera ist es hilfreich, eine Taschen- oder Stirnlampe dabei zu haben.

Tipp Nr. 8 (bei Kälte): Ersatzakkus in die Hosentasche stecken! Direkt am Körper bleiben die Ersatzakkus wärmer. Kalte Temperaturen entziehen den Akkus reichlich Energie. Um Kondenswasser am Kamera-Equipment zu vermeiden, lassen Sie die Technik langsam akklimatisieren, wenn Sie von der Kälte zurück in Ihre warme Unterkunft kehren.

Und zu guter Letzt: vergessen Sie nicht, das Erlebnis und die Aussicht einfach zu genießen. Ein unvergessliches Naturschauspiel wie Polarlichter sehen Sie immerhin nicht alle Tage!

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